Brautstrauß werfen gehört zu den bekanntesten Momenten einer Hochzeitsfeier: Die Braut dreht sich um, die Gäste drängen nach vorn, und für ein paar Sekunden hält der ganze Saal den Atem an. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, wie läuft der Wurf ohne Chaos ab und was tun, wenn du den Brauch nicht magst? Dieser Ratgeber erklärt Herkunft, Ablauf und moderne Alternativen.
Was bedeutet das Brautstrauß werfen?
Beim Brautstrauß werfen wirft die Braut ihren Strauß rücklings über die Schulter in eine Gruppe von Gästen. Traditionell stehen dort unverheiratete Frauen. Wer den Strauß fängt, soll laut Volksglauben als Nächstes heiraten. Heute machen oft alle Singles mit, unabhängig vom Geschlecht, und der Wurf gilt vor allem als fröhlicher Programmpunkt.
Der Brauch ist in Deutschland so verbreitet, dass viele Gäste ihn fest erwarten. Auch Medien wie t-online zählen den Wurf zu den bekanntesten Traditionen rund ums Heiraten. Verpflichtend ist er trotzdem nicht: Du entscheidest, ob und wie er zu eurer Feier passt.
Herkunft: Woher kommt der Brauch?
Wann genau der Wurf entstanden ist, lässt sich historisch kaum belegen. Eine verbreitete Erklärung führt ihn auf England und Frankreich zurück: Dort sollen Gäste früher versucht haben, ein Stück vom Brautkleid als Glücksbringer zu ergattern. Der geworfene Strauß, so die Deutung, lenkte die Aufmerksamkeit ab und schützte das Kleid. Belege für diese Geschichte sind allerdings dünn, du solltest sie eher als Anekdote erzählen.
Sicherer ist die Symbolik der Blumen selbst. Wie Planet Wissen in seinem Überblick über Hochzeitsbräuche beschreibt, galten etwa weiße Rosen, Lilien und Myrte lange als Zeichen der Reinheit. Die Myrte war schon in der Antike Göttinnen der Liebe und Fruchtbarkeit geweiht. Der Strauß steht damit für Glück und Neubeginn, und genau dieses Glück soll beim Wurf auf eine andere Person übergehen.
Verwandt ist ein Brauch, der vor allem im englischsprachigen Raum bekannt ist: der Wurf des Strumpfbands durch den Bräutigam. In Deutschland ist er seltener, und viele Paare lassen ihn bewusst weg, weil er schnell anzüglich wirken kann. Wer Traditionen mit Symbolkraft mag, findet in unserem Beitrag zu Something old, something new weitere Ideen.
Der richtige Zeitpunkt für den Wurf
Einen festen Termin gibt es nicht, aber einige Zeitfenster haben sich bewährt. Wichtig ist vor allem, dass möglichst viele Gäste da sind und noch in Feierlaune, aber nicht zu müde.
- Nach der Trauung vor der Kirche oder dem Standesamt: Schöne Fotos im Tageslicht, allerdings sind dann oft noch nicht alle Gäste da.
- Nach dem Eröffnungstanz: Die Tanzfläche ist ohnehin frei und alle Blicke sind beim Paar.
- Nach dem Anschneiden der Torte: Ein natürlicher Übergang in den Partyteil.
- Kurz vor Mitternacht: Stimmung ist meist auf dem Höhepunkt, das Licht für Fotos jedoch schwieriger.
Sprich den Zeitpunkt mit deinem Fotografen und dem DJ ab. Wenn eine Moderation ansagt, dass gleich der Brautstrauß fliegt, haben alle die Chance, rechtzeitig nach vorn zu kommen. Wer die Hochzeitsplanung strukturieren möchte, kann den Wurf auch neben Hochzeitsspielen in den Ablauf integrieren.

Brautstrauß werfen: Ablauf in sechs Schritten
Damit der Moment entspannt und sicher abläuft, hilft eine kleine Choreografie. So gehst du vor:
- Ort wählen: Suche eine freie Fläche ohne Kronleuchter, Deckenbalken, Gläser oder Kerzen in der Nähe. Draußen ist meist am meisten Platz.
- Gäste aufrufen: DJ, Trauzeugin oder Moderation bitten alle, die mitmachen möchten, nach vorn. Niemand sollte gedrängt werden.
- Abstand festlegen: Stell dich etwa drei bis fünf Meter vor die Gruppe, mit dem Rücken zu ihr.
- Probewurf antäuschen: Ein angedeuteter erster Wurf sorgt für Lacher und gibt dem Fotografen Zeit, sich zu positionieren.
- Werfen: Wirf den Strauß mit Schwung hoch über die Schulter, nicht flach. So fliegt er weiter in die Mitte der Gruppe.
- Gratulieren: Dreh dich um, umarme die Person mit dem Strauß und lass Raum für ein gemeinsames Foto.
Ein Tipp aus der Praxis: Bitte die Gäste, Schuhe mit hohen Absätzen kurz auszuziehen oder vorsichtig zu sein. Beim Gerangel um den Strauß kommt es sonst leicht zu umgeknickten Knöcheln.
Übrigens musst du nicht allein werfen. Manche Paare werfen gemeinsam, jeder hält den Strauß mit einer Hand, oder der Bräutigam übernimmt einen zweiten Wurf mit einem Anstecker oder einer kleinen Flasche für die männlichen Singles. Solche Varianten lockern den Moment auf und beziehen mehr Gäste ein. Wichtig ist nur, dass du die Idee vorher mit dem DJ besprichst, damit Musik und Ansage passen.
Wurfstrauß oder Original: Was fliegt?
Viele Bräute möchten ihren Brautstrauß nach der Hochzeit trocknen oder pressen lassen. Deshalb ist der Wurfstrauß beliebt, eine kleinere, leichtere Kopie des Originals. Er fliegt besser, geht bei einer Bruchlandung nicht verloren und du behältst dein Erinnerungsstück.
Worauf du beim Wurfstrauß achten solltest
- Gewicht und Größe: Ein kompakter Strauß lässt sich besser greifen und werfen als ein ausladendes Kaskadenarrangement.
- Stiele umwickeln: Ein Band um die Stiele verhindert Dornen und Pflanzensaft an den Händen.
- Robuste Blumen: Rosen, Nelken oder Schleierkraut halten einen Wurf meist besser aus als empfindliche Sorten.
- Kosten: Ein Wurfstrauß kostet je nach Blumen und Region meist etwa 30 bis 80 Euro.
Am besten besprichst du den Wurfstrauß direkt bei der Bestellung des Brautstraußes mit deiner Floristin. Wer Blüten auch im Haar trägt, kann die Farben abstimmen, Inspiration liefern unsere Brautfrisuren mit Blumen.

Fotos: So hält der Fotograf den Moment fest
Der Wurf dauert nur einen Augenblick, deshalb lohnt sich eine kurze Absprache mit deinem Fotografen. Er braucht etwas Vorlauf, um sich seitlich oder hinter dir zu positionieren. Am schönsten wirken Bilder, auf denen sowohl der fliegende Strauß als auch die Gesichter der Gäste zu sehen sind.
- Perspektive klären: Von hinten über deine Schulter fängt der Fotograf die Gesichter der Gäste ein, von vorn deinen Schwung.
- Serienbild nutzen: Ein schneller Serienmodus erhöht die Chance auf den perfekten Moment in der Luft.
- Licht bedenken: Abends in dunklen Räumen hilft ein Blitz oder eine gezielt aufgehellte Tanzfläche.
- Zweiter Blickwinkel: Wenn ihr zwei Fotografen oder eine Videografin habt, verteilt sie auf beide Seiten.
Plane außerdem einen kurzen Moment nach dem Wurf ein. Das gemeinsame Foto mit der Person, die den Strauß gefangen hat, gehört für viele Paare zu den liebsten Bildern im Album.
Brautstrauß werfen bei kleinen Feiern
Auf einer Hochzeit mit nur 20 oder 30 Gästen wirkt eine große Wurfszene manchmal etwas verloren, vor allem wenn kaum Singles dabei sind. Gerade bei einer Mikrohochzeit passen leisere Formen oft besser: ein Bänderziehen am Tisch, ein Strauß, den du bewusst verschenkst, oder ein Wurf, an dem einfach alle teilnehmen dürfen.
Eine charmante Idee für kleine Runden: Jeder Gast zieht ein Los, und auf einem steht ein Gewinnspruch. Wer es zieht, bekommt den Strauß. So entsteht Spannung, ohne dass jemand aufstehen und sich in eine Gruppe stellen muss.
Alternativen zum Brautstrauß werfen
Nicht jede Braut fühlt sich mit dem Brauch wohl. Manche finden es unangenehm, Singles öffentlich nach vorn zu rufen, andere haben schlicht wenige unverheiratete Gäste. Diese Alternativen funktionieren genauso stimmungsvoll:
Anniversary Dance
Alle verheirateten Paare kommen auf die Tanzfläche. Der DJ ruft nach und nach Jahreszahlen auf, etwa „Wer weniger als fünf Jahre verheiratet ist, setzt sich“. Das Paar, das zum Schluss übrig bleibt und am längsten verheiratet ist, bekommt den Strauß. Ein berührender Moment, der besonders Großeltern ehrt.
Bänderziehen
Am Strauß sind mehrere lange Bänder befestigt, aber nur eines ist tatsächlich mit ihm verbunden. Jede Teilnehmerin zieht an einem Band, und erst am Ende zeigt sich, wer den Strauß gewonnen hat. Diese Variante ist ruhig, gerecht und eignet sich gut für kleine Gruppen.
Strauß verschenken
Du kannst den Strauß auch bewusst einer Person überreichen: deiner Mutter, deiner Oma, einer guten Freundin, die bald heiratet, oder einem Paar, das gerade ein schweres Jahr hinter sich hat. Eine kurze Rede dazu macht den Moment besonders persönlich.
Manche Bräute legen den Strauß auch an einem Grab nieder, um einen verstorbenen Angehörigen zu ehren, oder bringen ihn am nächsten Tag in eine Kirche. Diese stillen Gesten finden oft abseits der Feier statt und bleiben trotzdem lange in Erinnerung.
Mini-Sträuße für alle
Statt eines großen Wurfs bindet die Floristin mehrere kleine Sträuße, die du an verschiedene Gäste verteilst. Das passt gut zu kleinen Feiern und vermeidet jedes Gedränge.
Brautstrauß werfen mit Feingefühl und Stil
Ein Wurf soll Freude machen, nicht Druck erzeugen. Bedenke, dass nicht alle Gäste gern als Single im Mittelpunkt stehen, etwa nach einer Trennung oder wenn sie schlicht nicht heiraten möchten. Lade deshalb offen ein, statt einzelne Personen namentlich aufzurufen.
Auch kulturelle Unterschiede spielen eine Rolle. Auf einer türkischen Hochzeit etwa gibt es mit dem Gelin teli, dem Lametta der Braut, einen ganz eigenen Brauch, der eine ähnliche Bedeutung hat. Binationale Paare kombinieren solche Elemente gern und schaffen so ihren eigenen Programmpunkt.
Wenn du dich für den klassischen Wurf entscheidest, sorge für gute Vorbereitung: freie Fläche, klare Ansage, Fotograf in Position und ein Wurfstrauß, der den Flug übersteht. Dann wird das Brautstrauß werfen zu einem der schönsten Schnappschüsse des Tages.
Häufige Fragen zum Brautstrauß werfen
Wer darf beim Brautstrauß werfen mitmachen?
Traditionell stehen unverheiratete Frauen in der Gruppe. Heute laden viele Paare alle Singles ein, unabhängig vom Geschlecht, manchmal sogar alle Gäste, die Lust haben. Wichtig ist, dass niemand gedrängt oder namentlich nach vorn gerufen wird. Eine offene Einladung durch DJ oder Trauzeugin sorgt dafür, dass nur mitmacht, wer wirklich möchte.
Wann wird der Brautstrauß geworfen?
Beliebt sind vier Zeitpunkte: direkt nach der Trauung vor dem Standesamt oder der Kirche, nach dem Eröffnungstanz, nach dem Anschneiden der Torte oder kurz vor Mitternacht. Entscheidend ist, dass möglichst viele Gäste anwesend sind und das Licht für Fotos passt. Stimme den Zeitpunkt deshalb mit Fotograf und DJ ab.
Was kostet ein Wurfstrauß?
Ein Wurfstrauß kostet je nach Blumenauswahl, Saison und Region meist etwa 30 bis 80 Euro. Er ist kleiner und leichter als der eigentliche Brautstrauß und wird oft passend zu diesem gebunden. Wenn du ihn gleich zusammen mit dem Brautstrauß bestellst, kann die Floristin Farben und Blumen optimal aufeinander abstimmen.
Was macht man, wenn niemand den Strauß fängt?
Landet der Strauß auf dem Boden, ist das kein schlechtes Omen. Meist hebt ihn einfach die Person auf, die am nächsten steht, und alle lachen über den missglückten Flug. Alternativ wirfst du ein zweites Mal. Ein robuster Wurfstrauß übersteht solche Bruchlandungen problemlos, dein Original bleibt dabei geschützt.
Wie kann man den Brautstrauß nach der Hochzeit aufbewahren?
Viele Bräute lassen den Strauß trocknen, pressen oder in Harz gießen. Zum Trocknen hängst du ihn kopfüber an einen dunklen, trockenen und luftigen Ort, mehrere Wochen lang. Für professionelle Konservierung solltest du den Strauß möglichst frisch, also innerhalb weniger Tage, zu einem spezialisierten Betrieb bringen.